Wie es ist, mit dem Bike durch Istanbul zu fahren? In aller erster Linie einfach nur überwältigend. Dieser Moment, wenn man die Stadt zum ersten Mal sieht und dann mit dem Radl reinfährt – echt ergreifend.

Meine Couchsurfing-Hosts wohnen auf der asiatischen Seite. Soviel wusste ich. Bis Istanbul war ich 70 Kilometer gefahren und jetzt musste ich noch zu Baki und Ani. Also easy going – dachte ich…

Nach ein paar anstrengenden Kilometern hatte ich verstanden, wie das hier mit dem Straßenverkehr und dem Radeln funktioniert. Ich habe mich einfach frech überall durchgeschlängelt und hatte jede Menge Spaß – wie ein überdimensionaler Parkour kam mir das Straßennetz vor.

Kein Spass, der Verkehr in Istanbul

Aber irgenwie kam ich nicht vom Fleck.

Im 30 Minuten Rhythmus schaue ich auf Google Maps, doch jedes Mal sah es so aus, als sei ich noch am selben Standort. So langsam begreife ich, dass die Stadt riesig ist. Schreibe meinem Host mal, dass ich mich zwei Stunden verspäte.

Ich radle weiter und weiter. Inzwischen bin ich 35 Kilometer in der Stadt unterwegs. Ich frage mich, wann bin ich denn mal in sowas wie in einem Stadtzentrum und wann sehe ich den Bosporus? Ich radle immer weiter, doch ich fühle mich …lost. Die zwei Stunden Verspätung die ich meinem Host angekündigt habe, sind auch schon längst vorbei. Die Stadt ist einfach viel zu groß für mich. Es wird gleich Nacht und ich bin nicht einmal im Stadtzentrum. Ich habe immer noch 40 Kilometer bis zu meinen Hosts. Ich bin fertig – ich mag nicht mehr. So komme ich erst nachts um drei an. Da muss jetzt ein anderen Plan her.

Ich beschließe, dass ich die Metro nehme. Denn eigentlich mag ich mich einfach nur noch hinlegen. Also lasse ich mir von Baki den Weg mit Metro erklären und endlich, um kurz vor Mitternacht, bin ich dann endlich bei Baki und Ani. Endlich habe ich es geschafft. Was ich nachher erfahre, von Westen nach Osten ist Istanbul 120 Kilometer breit – hätte man auch vorher wissen können.

Meine Hosts Ani und Baki

Mit meinen Hosts habe ich wieder Glück: Baki arbeitet bei einer NGO für Studenten und Ani ist Schauspieler beim Theater. Ich bleibe drei Nächte bei ihnen. Wir besuchen die Insel Burgazadasi, hier hat man eine fantastische Aussicht auf die halbe Stadt. Die beiden zeigen mir den schönsten Park der Stadt, den Fenerbahce Park. Wir sind viel unterwegs. Erholung ist da Mangelware und ich schaffe es nicht mal mit meiner Freundin zu skypen. Ich habe Liebeskummer und merke, dass Istanbul einfach eine Nummer zu groß für mich ist. Ich mag wieder raus aufs Land und alleine im Zelt schlafen ….mag einfach wieder meine Ruhe.

Blick auf Istanbul

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